Aus der Überlegung heraus, wie ich aus knapper Zeit und knappem Budget das meiste aus Französisch Polynesien herausholen kann, wurde die Idee geboren, „Tuamotu“ von einem Frachtschiff aus zu besichtigen. Diese weltgrößte Gruppe von Korallenatollen umfasst 78 Atolle und viele kleine einzelne Inseln. Der Tuamotu-Archipel ist die Inselgruppe mit der weltweit größten Ausdehnung und erstreckt sich dabei über mehr als 20000 km², eine Fläche größer als Westeuropa. Die Landfläche aller Inseln zusammen beträgt dagegen nur etwa 850 km².
Die Idee hatte Joseph, mein neuer Gastgeber hier auf Tahiti.
Ich finde die Idee gut, sie klingt nach Abenteuer. Als ehemaliger Bootsbesitzer hat er die besten Kontakte und kennt den Kapitän meines nächsten Transportmittels. Mit Trinkwasser und Proviant ausgestattet komme ich bestens gelaunt am Hafen von Papeete an. Hier herrscht geschäftiges Treiben. „Das ist dein Boot!“, ruft Joseph lachend und zeigt auf einen grauen Kahn.
Ein Kran hievt gerade Frachten an Bord, schwitzende Männer mit Sicherheits-Helmen beladen das Schiff. „Ach ja“, mein ich „im Notfall würd ich auch mit sowas reisen…“. Ich dachte seine Bemerkung wäre ein Schertz!!!!
Nein. Das war es nicht Kathrin, oder wie hast du dir einen Frachter auf See vorgestellt? Hell getüncht von außen und weiße Menschen in Polohemden mit hochgeklapptem Kragen, Leinenhosen und fetten Spiegelreflexkameras um den Hals um die Puderzuckerstrände damit festhalten zu können an Bord?! Nein Madame Weltreisende, DIE nehmen ein anderes Boot.
Kurz perplex lasse ich mir meine Entgeisterung nicht anmerken. Der erste Schock ist schnell überwunden. Mein neues Zuhause ist also ein Frachtschiff, ein Kahn mit Kran obendrauf und meine Mitbewohner sind schwitzende, schuftende Seeleute. Ok.
Joseph stellt mich vor und gleichzeitig sicher, dass auf mich Acht gegeben wird. Und das wird es auch.
Mein erster Eindruck der Crew ist positiv, ein junger Kapitän (mitte 30) und ein noch jüngerer zweiter Kapitän (27) aber die Arbeitsteilung an Bord ist sehr flexibel und so übernimmt auch der Mechaniker mal das „Ruder“.
Ich gehe an Bord. Meine Kabine: So große wie ein Fiat Panda, keine Fenster, links und rechts Etagenbetten, vor mir ein Schrank mit vier Fächern – keine Tür. Ich meine nicht am Schrank sondern – keine Eingangstür. Die Matratzen sind aus hygienischen Gründen mit rotem Plastik bezogen. Hmmm – wie gemütlich! Und dann – hatte Joseph nicht gesagt, ich brauche keinen Schlafsack?! „…You will have eeeeeeeeeeeverything on board.“ Das hatte er wohl mit der Aranui (sein ehemaliges Boot) verwechselt oder ich mich verhört. Vor meinem geistigen Auge sehe mich schon morgens wie ein Fliege am Fliegenfänger an der Matratze festklebend. Lecker.
Zum Glück habe ich als Reporter, meinem Patron und als einzige weiße Frau an Bord „V.I.P.-Status“ und man versucht mir jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Ich bekomme nicht nur mein frisches, sauberes Bettzeug, sondern auch ein Upgrate in die Seemannskajüte. Das Upgrate beinhaltet neben sympathischer Gesellschaft auch eine abschließbare Tür. Ich darf das Badezimmer des Kapitäns benutzen, werde zum Essen und zum Kaffee eingeladen – als
der erste Tag noch nicht zu Ende ist bin ich Mitglied der „Familie“. Der Abend auf See beschert uns einen unglaublichen Sonnenuntergang und einen spektakulären Himmel – atemberaubend! Ich weiß, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe, diese Tour zu machen.
Die erste Nacht war nicht so lustig – oder vielleicht doch?
Ein Wort zu „Nächtigen auf einem Frachtschiff“: Jedes Mal, wenn ich gerade am Einschlummern bin, schrecke ich auf: „HILFE! Ich falle…..!“ Meine Güte schwankt das. Ich habe wirklich gedacht ich rolle und falle jeden Augenblick aus meinem Bett!
Dann dieser Lärm und die Jungs die dann und wann zum Arbeiten raus gerufen werden. Zum Glück habe ich Ohropax.
Auch der zweite Tag ist entspannt. Die Sonne, die unendliche Weite – nichts zu sehen bis zum Horizont – die Brise, das Glitzern des Wassers, die fliegenden Fische und ein paar Delphine die uns begleiten lassen meinen „wankelmütigen Schlaf“ schnell vergessen. Nach einer Bootsführung finden sich ein paar Passagiere und einige der Crew auf dem Dach wieder. Wir plaudern, genießen die Wärme den Wind, die Aussicht auf die Sandbänke, und Palmenhaine der ersten Atolle die jetzt in Sichtweite liegen.
Als es bereits Nacht ist wird auf einem einsamen Motu (polynesisch für Inselchen) Fracht ab- und aufgeladen. Auf diesem Minifleckchen Erde lebt dann tatsächlich auch nur ein Mann mit seinem Sohn wie Robinson Cruso mit Freitag. Das Motu liegt eigentlich nicht einmal auf der eigentlichen Route der COBIA. Die schweren Säcke – nein, man lässt mich partout nicht mit anpacken – beinhalten „Cobra“ (Kokosnussschalen) und Kaffeetellergroße Muschelschalen. Die aus welchen die berühmten Tahiti-Perlen entnommen werden!
Und so nehme ich den Beobachtungsposten ein und observiere das Geschehen. Nach Stunden harter körperlicher Arbeit geht es zurück aufs Boot… mir ist „so hintergründig“ immer ein bisschen schlecht. Ich hoffe das legt sich mit der Zeit und ich werde nicht wirklich Seekrank!
Die zweite Nacht schlafe ich wie ein Engel und freue mich wie ein kleines Kind auf den nächsten Tag…
…und meine freudigen Erwartungen sollten nicht enttäuscht werden: Ich wache auf in FAKARAVA.
Nach einem kleinen Frühstück lädt mich meine sympathische Mitreisende Isabelle zu einer Inselrundfahrt ein. Sie und ihr Mann machen wie ich die komplette Tour der COBIAIII mit und bleiben wie ich die ganze Zeit an Bord. Andere kommen und gehen, springen auf und springen ab. Einfach aus Spaß die ganze Route mit abzufahren ist ungewöhnlich. Frachtschiffe sind neben den Flugzeugen ein wichtiges und verlässliches Transportmittel für die Einheimischen. (Weniger für Touristen
)
Als ich noch etwas schlaftrunken an Land gehe bin ich geblendet von der Sonne und der Schönheit die sich vor meinen Augen auftut: Wahrhaftig – ich bin im Paradies!
Hier bestätigt sich das stereotype Bild der Südsee wie es jeder vor Augen hat: Pudergezuckerte Strände gesäumt von kristallklarem Wasser, Palmenblätter glänzen im Sonnenlicht. Ich muss blinzeln so traumhaft schön ist es. Einfach perfekt. Als ich später wieder Mehr »










































































